Beschwert euch bei diesem Süßholzraspler!

Folge 14 | erhaltenes Stichwort: Zwilling

Auf der Suche nach dem größten Schürzenjäger aller Zeiten stolpert man über Namen wie Casanova, Don Giovanni oder Charlie Sheen. Doch fast immer vergisst man den „Urvater“ der Verführung. Heute ist es an der Zeit, dass wir uns beschweren.

Zeus, der Göttervater der griechischen Mythologie, hatte unzählige Geliebte und wahrscheinlich mehr Kinder als ein Zuchtbulle. Er verführte nicht nur schöne Frauen, Nymphen, Göttinnen und heiratete seine eigene Schwester, sondern schlief auch mit einem jungen Prinzen. Sogar die Göttin, die später Namensgeberin für Bio-Erzeugnisse wurde, war vor Zeus nicht sicher, kurz: Er war ein grenzüberschreitender Süßholzraspler und hatte irgendwie überall seine – ähm – Finger im Spiel.

Da sein Charme und seine Machtposition nicht immer ausreichten, um an die begehrten Frauen heranzukommen, musste Zeus häufig kreativ werden: Besonders bewährte sich die Methode des „Verkleidungs-und-Entführens“, wobei gemutmaßt werden darf, wie Zeus seine Geliebte Danae in Gestalt eines goldenen Regens schwängerte.

Zeus' Affären dauerten selten sehr lange, dennoch hatten sie manchmal weitreichende Folgen. Zum Beispiel als Zeus beschloss, Leda, die Gemahlin des spartanischen Königs zu verführen. Verkleidet als Schwan zeugte er (fragt nicht!) mit Leda einen Sohn namens Polydeukes, der dann aus einem Ei schlüpfte und unsterblich war. In derselben Nacht entstand auch Zwillingsbruder Kastor, wahrscheinlich durch Ledas Gemahl. Die beiden Brüder waren unzertrennlich, obwohl sie unterschiedlicher nicht hätten sein können: Kastor war im Gegensatz zu seinem Bruder nicht unsterblich, was sich später als leicht problematisch herausstellte: Kastor starb und machte seinen Bruder kreuzunglücklich.

Doch keine Sorge – auch hier hatte Zeus eine Lösung parat, um die Folgen seines tierischen Schäferstündchens auszubügeln: Polydeukes durfte immer einen Tag mit Kastor im Reich der Toten verbringen und einen Tag im Olymp bei den Göttern. Soweit ganz großartig.

Die enge Verbindung der Brüder war schließlich der Grund, warum zwei eng nebeneinander stehende Sterne nach den beiden Brüdern benannt würden: Pollux und Castor. Die beiden Sterne sind außerdem wichtigster Bestandteil des Sternbildes Zwilling.

Jedes Jahr zwischen dem 21. Mai und dem 22. Juni steht die Sonne in besagtem Sternbild. Allen Menschen, die zu dieser Zeit geboren werden, wird nachgesagt, Eigenschaften zu besitzen, die für einen Zwilling typisch sind: Clever, fröhlich, interessiert, quirlig und kommunikativ. Luftig eben.

Doch andererseits kann das Zwillings-Dasein auch zum Fluch werden – besonders für alle anderen. Als Zwilling weiß ich, von was ich rede. 

Wenn sich der Zwillings-Freund zur oberflächlichen Quasselstrippe entwickelt, launisch und gerissen ist. Wenn er mit seiner fröhlichen Leichtigkeit nicht mehr unterhaltend ist. Wenn er einfach nur nervt – nun, dann wir es Zeit, etwas zu tun.

Beschwert euch also nicht bei uns, sondern beim Göttervater persönlich! Der hat euch schließlich das ganze eingebrockt – nur, weil er sein Zepter nicht im Zaum halten kann, falls ihr wisst, was ich meine.

Etwaige Beschwerdebriefe deshalb bitte direkt auf den Olymp, Adresse wie folgt:

Zeus Complaining Inc.
Postfach 1
Olymp, Griechenland
 
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Der Schürzenjager mit einem seiner beiden Zepter.