Das Schicksal – die Waffe der Jammerlappen

Folge 10 | erhaltenes Stichwort: Stillen

Ich muss zugeben, das Schicksal hat mir schon immer gefallen – denn mein eigenes Leben zu steuern, also das ist mir wirklich zu heikel. Das soll jemand anderes übernehmen.

Das Schicksal saugt jeder mit dem ersten Stillen an der Brust der Mutter in sich ein, oder so ähnlich, und von da an werden wir geleitet, von einer unsichtbaren Hand: Im Prinzip sind wir nur jämmerliche Vasallen des Schicksals, gesteuerte Marionetten des Lebens.

Ist das Schicksal nicht etwas Großartiges? Man muss nichts dafür tun, rein gar nichts. Niente. Keine Aufnahmeprüfung, kein Eignungstest oder Bewerbungsgespräch. Keine Casting-Show, in der man abkasiert wird, weil man nicht die nötigen Karma-Vibes besitzt: „Es tut mir leid, ich habe heute leider kein Schicksal für dich!“

Verständlich, dass bei der großen Reichweite deshalb nicht alle Schicksale ein Gewinn sein können. Es bringt auch nichts, das eigene Schicksal anzuschreien. Niete bleibt eben Niete. Das Schicksal ist gewissermaßen wie ein Rubbellos, nur mit einer höheren Gewinn-Chance.

Ich glaube, alle sind sich einig, dass das Schicksal für die großen Themen des Lebens gilt. Immer wenn es dramatisch wird, theatralisch, dann darf das Schicksal dabei sein: Liebe und Tod, Sintflut und ewiges Leid – da muss etwas Höheres, Unerklärliches im Nacken sein, mysteriös und allmächtig.

Allerdings verstehe ich eine Sache immer noch nicht: Wo ist eigentlich die Grenze zwischen Schicksal und eigener – ähm – Dödeligkeit? Gibt es so etwas, frage ich mich? Gibt es Themen, bei denen der Schicksal-Chef sagt: „Nein, das fällt nicht in unseren Kompetenzbereich! Das überlassen wir den Kollegen aus der Abteilung Allgemeine Alltags-Angelegenheiten!“

Wenn eine solche Grenze gibt, wäre es gut, diese zu wissen. Denn das Schicksal tendiert dazu, eine Waffe der Jammerlappen und Bananenbieger zu werden: Immer, wenn man nicht weiter weiß – eine Entschuldigung braucht – irgendwas, dann ist das Schicksal gewissermaßen die letzte Hoffnung.

Nicht, dass es zwingend etwas Schlechtes wäre, Dinge von sich wegzuschieben und die Schuld auf jemand anderen zu schieben – Kinder und Politiker machen das ja ständig. Aber es hindert eben daran, den Hintern selbst zu heben und etwas zu verändern. Und das nervt.

Ich habe immer so wenig Geld, ich bin eine arme Kirchenmaus! Immer ich! Schluchz! Das ist also der Weg, den du mir auferlegt hast? Oh, ich armer Tropf! Warum tust du mir das an? Warum ich?“

Also lehnt man sich im Sessel zurück und wartet darauf, dass sich das Schicksal wendet. Man kann schließlich nichts dagegen tun – der Herr gibt und der Herr nimmt, nicht wahr?

Aah, ich spüre es schon, wie eine kühle Brise tastet es mich ab – der Wind meines neuen Lebens! Hoffentlich bin ich bald reich!“

Da wäre es hilfreich, wenn man einschreiten könnte: „Tut mir leid, mein Freund, das Schicksal ist nicht für Angelegenheiten des Geldes zuständig!“

Oh, wirklich? Mensch, das wusste ich nicht. Aber was mach ich denn dann?“

Weiß nicht – vielleicht weniger Geld für Kleider ausgeben!?“

Hmm... Aber was habe ich dann eben für eine kühle Brise gespürt?“

Keine Ahnung, aber das Schicksal war es jedenfalls nicht.“

Oh, da hab ich wohl das Fenster im Klo aufgelassen.“

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Das Schicksal bei der Arbeit.