Bauchgefühl – ein Hirngespinst?

Folge 11 | erhaltenes Stichwort: Bauchgefühl

Als Eamon McEneaney am Morgen des 11. September 2001 einen plötzlichen Schwindelanfall bekam, wusste seine Ehefrau Bonnie bereits, dass er trotzdem in die Arbeit gehen würde. Sie hatte keine Ahnung, dass dieser Entschluss sein Todesurteil war.

Solche Schwindelattacken waren nichts ungesehenes, aber Eamon hatte seit über einem Jahr keine mehr gehabt“, schrieb sie später in der „Daily Mail“1. „Ich wollte, dass er bleibt, aber das würde er natürlich nicht tun. Er war ein entschlossener und pflichtbewusster Mann, hielt alleine für ein kurzes ‚Bis später!‘ inne, bevor er die zweistündige Anfahrt nach New York City antrat, die er so sehr hasste.“

Wenige Stunden später war Eamon McEneaney tot. Gestorben in den Twin Towers, zusammen mit 3000 anderen Kollegen, Angestellten und Praktikanten.

Seine Frau Bonnie erinnert sich, wie sie unmittelbar nach dem Terroranschlag von Fragen geplagt war: „Warum hatte er den Schwindelanfall genau an diesem Tag? Warum wollte er unbedingt zur Arbeit gehen? Jetzt, wenn ich zurückschaue, schien es klar: Eamon war sich immer sicher, dass er jung sterben würde.“

Getrieben von diesen Fragen, begann Bonnie McEneaney nach Familien zu suchen, die Ähnliches erlebt hatten. In den Jahren nach 9/11 trug sie Geschichten zusammen – Geschichten von Vorahnungen, seltsamen Gefühlen und Visionen. Mittlerweile gibt es zahlreiche Geschichten von Überlebenden, die durch kleine, spontane Entscheidungen unbewusst ihr Leben gerettet haben: Geschichten von verpassten Flügen wegen einem Streit mit der Freundin oder einem Termin beim Zahnarzt.

Natürlich gibt es viele Kritiker. Die Geschichten seien nichts weiter als Zufälle oder Hirngespinste, ausgedacht, um ein bisschen Berühmtheit zu erlangen. Doch ganz egal, ob es sich dabei um wahre oder ausgedachte Geschichten handelt – eines mag für den Skeptiker überraschend sein: Sogar die Wissenschaft glaubt an Bauchgefühl und Intuition.

Es gibt mehrere Studien, die zeigen, dass unser Körper eine unterbewusste Entscheidung treffen kann, und das, bevor wir überhaupt mit dem Abwägen angefangen haben. Besonders bei großen, schwerwiegenden Entscheidungen – wie zum Beispiel einem Hauskauf – seien wir im Nachhinein zufriedener, wenn wir uns für unser Bauchgefühl entschieden haben2.

Auch wenn wir jemand Fremdes treffen, braucht es nicht einmal einen Wimpernschlag bis wir ein unterbewusstes Urteil gefällt haben. In einer Zehntelsekunden haben wir bereits einen Eindruck vom Gegenüber. Und anscheinend ändert dieser sich im Normalfall auch nicht mehr signifikant3. Wie sagt man so schön? „Die Chemie zwischen uns stimmt einfach.“

Unser Körper hat schneller entschieden als der Kopf und kann Entscheidungen treffen, ohne, dass wir diese verstehen4. Dennoch hilft das wenig, wenn wir uns dann dagegen entscheiden. So wie bei Eamon McEneaney.

Hört auf euer Bauchgefühl, denn es ist meistens richtig.

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Was sagt deine Intuition?