Salz, salziger, besser


Folge 1 | erhaltenes Stichwort: Salz und Kräutersalz

Wir Menschen sind paradox, denke ich mir manchmal. Wir essen Steine und streuen dieselben Steine auf die Straßen, damit der Verkehr besser fließe. Früher – also ganz früher – haben wir Salz sogar für Bezahlung genutzt. Wie lief das, frage ich mich?

Weib, wo hast du meinen Tageslohn hingetan?“
Ich habe ihn eben über den Teig gestreut.“

Kein Wunder, dass man Salz damals auch „weißes Gold“ nannte: Es ist nicht nur lebenswichtig für uns Menschen, sondern war eine kostbare Rarität auf dem Markt.

Heute, wo wir im Salzüberfluss schwelgen ist das unvorstellbar. Nicht auszudenken, was wäre, wenn wir vor einer Salzknappheit stehen würden oder ein Salzkäfer eine weltweite Krise auslösen würde, weil er massenhaft Salz in sich hineinschaufeln kann. Wir müssten rationieren. Dramatisch, denn wir haben uns schon so sehr an salziges Essen gewöhnt: Das Leben wäre auf einen Schlag fade – im wahrsten Sinne. Bei mir ist das nicht anders. Ich gebe zu, ich gehöre zu den komischen Menschen, die Salzkartoffeln salzen. Ich mag Salz eben.

Und schon sehe ich den erhobenen Finger aller Ernährungsberater und Waldorfeltern: „Viel Salz ist nicht gut, viel Salz trocknet dich aus, zerfrisst dich von innen, verunreinigt den Körper. Probier doch mal Kräutersalz.“

Es gibt Momente, in denen ich gerne zu brüllen anfangen würde, mitten in der Diskussion. Wie ein Dreijähriger, dem dämmert, dass die Grundlage, auf der die eigene Argumentation basiert, plötzlich schwindet: „Buhuuu. Ich mag aber Saaaaalz.“

Halten wir also für den moralischen Aspekt folgendes fest: Esst weniger Salz! Damit ist meine Mission erfüllt. Jetzt kann ich endlich in Ruhe extra viel Salz in das Nudelwasser kippen. Ich sage ja: Wir Menschen sind paradox.

So viel Salz kommt bei mir ins Nudelwasser. Mindestens.