Das trügerische Spiel des Rosenkohls

Folge 7 | erhaltenes Stichwort: Rosenkohl

Rosenkohl führt uns hinters Licht – jeden Tag. Die kleinen, grünen „Kugeln des Schreckens“ treiben ein trügerisches Spiel mit uns – jeden Tag. 

Zeit, dieses verlogene Schauspiel zu beenden und den Namen des Gemüses zu ändern.

Der Name lässt zunächst so Schönes vermuten. Rosen... Das muss doch lecker sein, wunderbar duftend, exquisit. Eine Gewürz aus der Provence, denkt man sich, oder eine zarte Frucht aus den exotischen Ecken der Erde.

Doch dann kommt der Killer, der schon eher zur wahren Gestalt des Gemüses passt, nämlich der hintere Teil des Namens: ...kohl.

Etwas, das beim Kochen wie kalter Furz stinkt, darf im Namen keine Rosen beinhalten. Unerhört und unmöglich. Rosenkohl fährt gewissermaßen unter falscher Flagge, ein Manipulator übelster Sorte. Würde es „Bittersprosse“ heißen – kein Problem. Oder wie wär's mit „Magenkraut“? Das klingt widerlich, da weiß man, was man hat. Und als lateinische Bezeichnung vielleicht noch „Flatulenzia Maxima“.

Sogar „Brüsseler Sprossen“, wie Rosenkohl manchmal genannt wird, geht in Ordnung. Zumindest, wenn man den Zusammenhang schafft: Alle aussortierten Politiker von der Resterampe verbringen die letzten Jahre ihrer Karriere bei teurem Wein und Furzkraut im politischen EU-Exil in Brüssel – das ist doch wieder passend.

Aber Rosenkohl?

Nicht einmal über die Herkunft von Rosenkohl ist man sich sicher: Die Wissenschaft streitet sich, ob es sich nun um eine „Mutation des Sprossenkohls“ handelt oder um eine „natürliche und zufällige Kreuzung mit einer wilden Kohlart“. Vielleicht wäre „Bastard-Kohl“ deshalb angemessener.

Es gibt auch „Bastard-Klee“, warum also kein „Bastard-Kohl“?
Wie ein ungewollt gezeugter Unfall. Ein hässliches Produkt, das nur widerwillig geduldet wird – ja, das gefällt mir. Wir belassen es dabei.

So kommt es, dass der Koch am Ende des Tages höchst zufrieden mit seiner neuen Wort-Kreation ist: Er hat einen großen sprachlichen Schimmel aus dem Fleisch der deutschen Sprache entfernt.

Die nächste befallene Zutat, um die sich der Koch kümmern wird, heißt Blumenkohl. Doch zuvor muss er sich die Hände waschen.

Hilf mir, diesen Blog zu teilen:




Der Bastard-Kohl von seiner besten Seite.